Die Kartoffel (Solanum tuberosum), auch Erdapfel oder Speisekartoffel ist eine
Pflanzenart in der Gattung Nachtschatten (Solanum) und wird daher der Familie
der Nachtschattengewächse (Solanaceae) zugerechnet. Sie ist mit Tomate, Paprika
und Tabak verwandt, nicht jedoch mit der Süßkartoffel.
Ihre Samen bildet sie in einer tomatenähnlichen Beere, die für Menschen
ungenießbar ist. Neben der geschlechtlichen Vermehrung verbreitet sie
sich durch ihre unterirdischen Knollen vegetativ. Letztere sind auch das, was
im deutschen Sprachgebrauch mit Kartoffeln gemeint ist - die essbaren Sprossknollen.
Wie alle Nachtschattengewächse enthält die Kartoffelpflanze giftige
Alkaloide (z.B. Solanin, syn. Solanidin). Der Verzehr von oberirdischen Teilen
der Pflanze führt zu Vergiftungserscheinungen. Dies gilt auch für
die aus den Knollen herauswachsenden Triebe.
Weltweit werden jährlich ca. 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet.
Herkunft
Die Kartoffel stammt aus den südamerikanischen Anden. Dort lernten die
Spanier in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von den Inkas die neue
Frucht Patata kennen - der englische Name potatoes oder der französische
Spitzname patate erinnern noch heute daran, ebenso wie die alte deutsche Bezeichnung
Batate, die heute die Süßkartoffel bezeichnet. Der gebräuchliche
deutsche Name Kartoffel erinnert dagegen an Trüffel, italienisch tartufolo,
mit denen sie am Anfang verglichen wurden. Der französische Ausdruck pommes
de terre bedeutet hingegen Erdäpfel- ein auch in Österreich gebräuchlicher
Name.
Nach Europa wurde sie zuerst ab dem Jahre 1555 wegen der schönen Blüte
und des üppigen Laubes als reine Zierpflanze importiert und als seltene
Pflanze in botanische Gärten aufgenommen.
Landwirtschaft
Diese als relativ anspruchslos geltende Ackerfrucht wird heute nicht mehr wie
früher praktisch überall dort angebaut, wo sie auch gedeihen konnte.
In der modernen mechanisierten Landwirtschaft wird auch die Kartoffel am liebsten
auf großen, zusammenhängenden, nicht all zu steilen Äckern angebaut,
da die großen schweren Maschinen, die im Frühjahr Kartoffeln pflanzen,
die Pflanzdämme später anhäufeln und im Herbst die Knollen aus
der Erde ernten, auf kleinen, steilen, steinigen Bergparzellen keine Chance
haben. Wo viele Steine im Boden sind, können die Knollen bei maschineller
Rodung stark beschädigt werden. Die Inkas bauten ihre Kartoffeln dort an,
wo Mais nicht mehr wuchs, heute wachsen Mais und Kartoffeln im Mittelland und
im Voralpengebiet nebeneinander.
Kartoffeln sind frostempfindlich; sie dürfen erst gepflanzt werden, wenn
im Frühjahr kein Frost mehr droht. Nicht aus Samen, sondern aus Saatkartoffeln
werden neue Pflanzen gezogen. Nur zur Kreuzungszwecken werden die neuen Sorten
aus Samen gezüchtet. Die aus der Knolle entstandene Tochterpflanze ist
ein Klon, sie ist also mit der Mutter genetisch identisch. Ohne regelmäßigen
Bezug von neuem Saat- bzw. Pflanzgut können Ernteausfälle die Folge
von der Ausbreitung von verschiedenen Virus- und Bakterienkrankheiten sein.
Man unterscheidet bei der Kartoffeln vier Reifegruppen von sehr frühen
Sorten, die bereits im Juni auf den Markt kommen, bis zu sehr späten Sorten,
die erst Ende September geerntet werden. Heute wird in Europa meistens mit großen
Erntemaschinen geerntet. Dazu muss die Krautschicht chemisch oder mechanisch
beseitigt werden. Der Mensch greift bei der komplexen Vollerntemaschine nur
noch kontrollierend ein. In einem zweiten Arbeitsgang werden die Früchte
gründlich sortiert, was derzeit noch nicht ganz ohne Menschenhand und ohne
das menschliche Auge möglich ist. Wichtig ist es dabei, alle angeschnittenen
und verletzten Knollen und auch solche mit Fäulnisflecken oder Grünstellen
zu entfernen.
Kartoffelsorten
Man unterscheidet Früh- und Spätkartoffeln (Lagerkartoffel) sowie
fest kochende und mehlige Sorten. Die Lebensmittelindustrie hat für ihre
Zwecke eigene Sorten entwickeln lassen. Für Kartoffelchips werden speziell
gezüchtete Sorten wie Lady Rosetta, Tomansa und Saturna verwendet, die
besonders hochwertig sind und einen extrem hohen Stärkeanteil enthalten.
Bekannte Kartoffelsorten in Deutschland sind insbesondere Hansa, Sieglinde,
Agria, Nicola, Linda und Bintje. Weitere in größerem Umfang angebaute
Sorten sind
fest kochend: Cilena, Kipfler, Linda, Princess, Selma, Vitelotte
vorwiegend fest kochend: Arkula, Berber, Christa, Granola, Laura, Leyla, Marabel,
Quarta, Rosara, Satina, Secura, Solara, Bamberger Hörnchen
mehlig kochend: Adretta, Afra, blauer Schwede, Likaria
Die Kartoffelsorten sind in Deutschland beim Bundessortenamt in Hannover registriert
und unterliegen für dreißig Jahre einem Sortenschutz. Dies bedeutet,
dass bei Anbau Lizenzabgaben an den jeweiligen Züchter fällig werden
können. Dadurch kann es zu Konflikten mit Anbietern kommen, etwa wenn etablierte
Sorten nach Ablauf der Schutzfrist vom Markt genommen werden sollen.
Vorurteile gegenüber Kartoffeln
Bereits als fremdländische Rarität weckte die Kartoffel auch Furcht
und Vorurteile; sicher haben sich aus Unkenntnis einige Menschen an den oberirdischen
Pflanzenteilen den Magen verdorben, große Vergiftungen wird es wohl nicht
gegeben haben, da wohl niemand zu viel von den bitteren Früchten gegessen
haben mag. Im damaligen Europa waren die Menschen nicht gewohnt, Früchte
aus dem Boden zu essen. Was aus dem Boden kam, hätte vom Teufel sein können.
Im zwanzigsten Jahrhundert warnte selbst Rudolf Steiner die Mütter, sie
sollen ihren Kindern diese Früchte der Finsternis nicht geben, denn die
Kartoffel sei als Nachtschattengewächs unberechenbar. Wer grüne Kartoffeln
gegessen hat, der hat sich leicht vergiftet. Bei Brennstoffmangel roh gegessene
Kartoffeln waren sicher nicht gesund, weil die ungekochte Stärke nicht
verdaut werden kann. Auch als Kartoffeln zur Hauptnahrung oder sogar zur einzigen
Speise der armen Leute wurden, entstanden viele Vorurteile gegenüber der
Armenkost. Und nicht zuletzt die Verwendung als Schweinefutter hat diese Frucht
als nur wenig salonfähig deklariert - man wollte nicht dasselbe auf dem
Teller haben wie die Sau im Trog. Bis heute leben solche Vorurteile weiter,
nicht wenige Leute behaupten, dass sie vom Kartoffelessen Kopfschmerzen bekommen.
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Quelle: www.wikipedia.de